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Auch wenn manche das Requiem schon freudig anstimmen: Noch läuten
den Grünen die Totenglocken nicht. Im vergangen Jahr galten sie
als die eigentliche Bonner Opposition und Joschka Fischer als
deren Medienstar. Mit der Niedersachsenwahl aber rückte Gerhard
Schröder in der öffentlichen Aufmerksamkeit nach vorne und die
SPD kommt kraftvoller daher.
Rot-Grün scheint nun auch im Bund tatsächlich möglich - mit realen
grünen Ministern. Die bisher vage Perspektive auf einen Politikwechsel
ist plötzlich konkret vorstellbar geworden und viele Bürger fragen
sich, ob darin eher eine Bedrohung oder eine Verheißung sehen
sollen. Also schauen sie genauer hin. Fünf Mark für den Liter
Benzin und das NEIN zur NATO-Osterweiterung sind plakative Symbole,
die von der Öffentlichkeit nun ernst genommen werden.
Munter in interne Konflikte vertieft, ist den Grünen dieser Perspektivwechsel
der Zuschauer entgangen. So waren sie völlig überrascht, als die
Öffentlichkeit auf ihre Parteitagsbeschlüsse sehr heftig reagierte.
Sie brauchten ein paar Tage, um sich von dem Schreck zu erholen.
Zwar ist auch die SPD nicht vor solchen Querschlägen befreit.
Es scheint aber, daß sie derzeit intern hinreichend koordiniert
ist, um solche kleinen Feuer schnell auszutreten und einen größeren
Brand zu verhindern. Den Grünen aber fehlt ein solches Management.
Ihre vielen kreativen Individualisten lassen sich nur mühsam in
so etwas wie Parteidisziplin einbinden.
Dann entscheiden im Ergebnis aber die Medien, wer für die Grünen
spricht: Wenn sie die Abgeordnete Halo Saibold zitieren, die
für Urlauber nur alle fünf Jahren eine Flugreise genehmigen will,
so ist das plötzlich der Grüne Vorschlag, der die öffentliche
Meinung bewegt. Wenn sie Joschka Fischer fragen, ergibt sich ein
anderes Bild.
Warum sollte bei diesen Möglichkeiten, die der Union nahestehenden
Medien nicht auf die Idee kommen, möglichst viele abstruse Vorschläge
Grüner Hinterbänkler publik zu machen? Frau Saibold kam bei "Bild"
zu Wort.
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