Grüne Häutungen 
Kommentar von Peter Grafe  

Köln, 3.4.1998

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Auch wenn manche das Requiem schon freudig anstimmen: Noch läuten den Grünen die Totenglocken nicht. Im vergangen Jahr galten sie als die eigentliche Bonner Opposition und Joschka Fischer als deren Medienstar. Mit der Niedersachsenwahl aber rückte Gerhard Schröder in der öffentlichen Aufmerksamkeit nach vorne und die SPD kommt kraftvoller daher. 

Rot-Grün scheint nun auch im Bund tatsächlich möglich - mit realen grünen Ministern.  Die bisher vage Perspektive auf einen Politikwechsel ist plötzlich konkret vorstellbar geworden und viele Bürger fragen sich, ob darin eher eine Bedrohung oder eine Verheißung sehen sollen. Also schauen sie genauer hin. Fünf Mark für den Liter Benzin und das NEIN zur NATO-Osterweiterung sind plakative Symbole, die von der Öffentlichkeit nun ernst genommen werden. 

Munter in interne Konflikte vertieft, ist den Grünen dieser Perspektivwechsel der Zuschauer entgangen. So waren sie völlig überrascht, als die Öffentlichkeit auf ihre Parteitagsbeschlüsse sehr heftig reagierte. Sie brauchten ein paar Tage, um sich von dem Schreck zu erholen. 

Zwar ist auch die SPD nicht vor solchen Querschlägen befreit. Es scheint aber, daß sie derzeit intern hinreichend koordiniert ist, um solche kleinen Feuer schnell auszutreten und einen größeren Brand zu verhindern. Den Grünen aber fehlt ein solches Management. Ihre vielen kreativen Individualisten lassen sich nur mühsam in so etwas wie Parteidisziplin einbinden. 

Dann entscheiden im Ergebnis aber die Medien, wer für die Grünen spricht: Wenn sie  die Abgeordnete Halo Saibold zitieren, die für Urlauber nur alle fünf Jahren eine Flugreise genehmigen will, so ist das plötzlich der Grüne Vorschlag, der die öffentliche Meinung bewegt. Wenn sie Joschka Fischer fragen, ergibt sich ein anderes Bild.  

Warum sollte bei diesen Möglichkeiten, die der Union nahestehenden Medien nicht auf die Idee kommen, möglichst viele abstruse Vorschläge Grüner Hinterbänkler publik zu machen? Frau Saibold kam bei "Bild" zu Wort. 

peg


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