Die Kraft kommt aus der Deutung 
Kommentar von Peter Grafe   
Köln,
14.9.1998
 
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Die SPD kann nicht verhehlen, in Bayern eine empfindliche Niederlage eingefahren zu haben. Ohne einen radikalen Themenwechsel wird sie auch nicht verhindern, daß jetzt in allen Interviews nach den Folgen für die Bundestagswahlen gefragt und nach Anzeichen von Nervosität gefahndet wird. Dabei rutscht die SPD in eine defensive Rolle. Jetzt zeigt sich, wie stark ihr Kampagnenfähigkeit wirklich ist: Schafft sie es, die Öffentlichkeit mit einem anderen Stoff zu versorgen, der die Gemüter erregt?
 
Nicht das Ergebnis selbst, sondern seine Deutung bestimmt die Wirkung, die von der bayerischen Landtagswahl ausgeht. Entsprechend heftig begann der Streit um die richtige Interpretation der Ergebnisse kaum waren die ersten Prognosen über die Bildschirme geflackert. Die Unionsparteien sahen sofort eine Trendwende, einen Meilenstein für ihr nun unaufhaltsames come back. 
 
Die SPD kämpft um die gegenteilige Botschaft: Das sei eindeutig eine Stoiber-Wahl gewesen, der ja mit gutem Grund dafür gesorgt habe, daß sie nicht gemeinsam mit den Bundestagswahlen sondern am letzten Ferientag stattfand. Er habe sich heftig von Kohl abgegrenzt und ihn nicht einmal zum letzten CSU-Parteitag eingeladen. Außerdem präsentierte die SPD die Erkenntnis, daß 25% der bayerischen Wähler bei der Bundestagswahl anders wählen wollen als im Land.
 
Die Grünen sehen ihre Krise behoben und sich wieder auf dem Weg nach oben. Ihr großes Problem aber ist der Osten. Die FDP bekennt, daß sie in Bayern nicht gebraucht wird, doch das sei unerheblich, denn sie sei in Bayern schon öfter abgestürzt und dennoch im Bundestag gelandet. Sie wird gleichwohl mit der für sie gefährlichen Frage konfrontiert sein, ob sie die 5% wohl schaffen wird?
  
peg
 
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