Die CDU beim Versuch, Bertis Schicksal zu entgehen... 
Kommentar von Peter Grafe 

  

Köln, 16.7.1998
 
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Bertis Buben haben versagt. Waren sie zu alt und ideenlos? Beim tristen Spiel der deutschen Mannschaft sehnte man sich die Glanzleistungen der Nationalelf um Günter Netzer 1970/72 wieder herbei: Nie spielten sie besser und schöner - und zu gleicher Zeit sorgte ein neuer Kanzler für frischen Wind in der Politik... 
  
Kohls öffentliche Verbrüderung mit dem erfolglosen Vogts macht sie gemeinsam zu Repräsentanten vergangener Größe und überholter Methoden. Der Trainer baute auf gereifte Männer, und der Kanzler setzt nur noch auf sich selbst. Er sieht keinen Anlaß abzudanken, und es ist niemand da, der stark genug wäre, erfolgreich nachzuhelfen. 
  
Je heftiger ihn Medien und Parteifreunde bedrängen, desto unbeugsamer hält er an den Konzepten seines Aufstiegs fest: Er bleibt bei der angestammten Agentur, beharrt auf den CDU-Botschaften der alten Bundesrepublik und verlangt von Peter Hintze, die Kampagne von 1994 zu kopieren. 
  
Die CDU-Mannschaft aber sieht ihre Chancen schwinden, und die hastig eingewechselten Stürmer schießen munter Eigentore: Der neue Regierungssprecher Otto Hauser droht den Ostdeutschen mit Geldentzug, wenn sie falsch wählen, der Kommunikationsberater Hans-Hermann Tiedje findet den Lebensstandard in den neuen Bundesländern im Verhältnis zu dem in Polen hervorragend - ein Vergleich, der sensibel ins Gemüt trifft. 
  
Anstatt zu stürmen, ficht Hintze eine Schlacht um Gut und Böse und erntet Pfiffe aus den eigenen Reihen. Volker Rühe z.B. erklärt, "auf den roten Händen kann man keinen ganzen Wahlkampf aufbauen, schon gar nicht im Osten... Wir müssen jetzt unsere Strategie anpassen und im Schwerpunkt einen positiven Wahlkampf führen." Wenn Christdemokraten in den Medien "Argumente statt Lagerwahlkampf" fordern, so ist das als Kritik an Kohl zu verstehen. Mehr Rebellion geht derzeit nicht. 
  
Dieser Kanzler aber ignoriert das Gegrummel und hofft auf Wiederholung: Immer wieder hat er drohende Niederlagen im letzten Moment abwenden können. Zwar ist nicht jeder Rückstand ist per Willen und roher Kraft wieder aufzuholen, doch vielleicht unterläuft der SPD eine unfaire Grätsche und bekommt dafür vom Wähler die Rote Karte. Wer weiß? 
peg 14.7.98 
 
 
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