Die Mediensperre durchbrechen 
Kommentar von Peter Grafe   
Köln,
21.9.1998
 
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Davon haben die Parteien immer geträumt: Endlich die Wählerinnen und Wähler direkt erreichen. Was haben sie in der Vergangenheit über die Medien geklagt, weil sie sich ungerecht, unfair oder einseitig interpretiert fühlten - als Opfer böser Journalisten, die den Wählern all jene bedeutenden Mitteilungen vorenthalten, die sie täglich verbreiten.  
  
In ihrer Klage haben die Parteien übersehen, daß Argumente und Originaldokumente nicht aus sich heraus wichtig werden, sondern erst infolge öffentlicher Meinungsbildung. Was dem Wähler ein wunderbares Programm, wenn er nicht einschätzen kann, ob die entsprechende Partei auch ausreichend Kraft und Kompetenz hat, es umzusetzen? Dies Urteil aber steckt nicht im Programm selbst, sondern entwickelt sich in der öffentlichen Auseinandersetzung darüber, welche Folgen es haben könnte, wie es zustande kam, wem und welchen Zwecken es dient.  
  
Nun haben die Parteien das Internet, könnten also den Medienfilter umgehen, doch dabei zeigt sich: Sie reduzieren ihre Botschaften auf jene Kernelemente, die auch sonst in der öffentlichen Aufmerksamkeit eine Rolle spielen. Keine Partei brachte per Internet eine politische Aktion zustande oder gab eine relevante Information, die öffentliche Beachtung gefunden hätte. 
  
Sie mußten erkennen, daß die Ansammlung nicht gedruckter Pressemitteilungen auch bei den Usern nicht auf besonderes Interesse stößt. Wenn Aussagen der Parteien auf Pressekonferenzen langweilig sind, bleiben sie es auch im Netz. 
  
Die Aufmerksamkeit im Internet hängt vor allem davon ab, ob man mit seinem Thema auch in den anderen Medien vorkommt. Ein öffentliches Amt z.B. sorgt für sowohl für allgemeine Medienpräsenz und auch für viele Besucher auf der jeweiligen Site - unabhängig von der Qualität der Argumente. 
  
Die Interpretation dieser Argumente jedoch erfolgt auf vielen Kanälen: im Fernsehen, in den Printmedien, im Radio und mit vielerlei Absendern wie Parteien, Kirchen Verbänden und Journalisten. Das Netz schafft zwar eine neue Ebene der Öffentlichkeit, ist aber von diesen allgemeinen Interpretationsprozessen nicht unabhängig. Die Parteien können hier zwar mitteilen, was sie wollen, doch sorgt die ungefilterte Selbstdarstellung allein noch nicht für neue Überzeugungskraft. 
peg
 
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