Schonzeit für Wähler 
Kommentar von Peter Grafe 

  

Köln, 27.7.1998
 
Neu auf wahlen-98.de
Kommentar-Archiv
Möllemann springt vom Himmel, Kohl besucht Badende an der Ostsee, Politik macht Pause und die Parteien säuseln im Netz: "Sommer, Urlaub und dann der Wechsel in Bonn: Familienfreundlicher kann es kaum kommen", verheißt die SPD, zeigt ihren von der Presse umwirbelten Schröder und legt eine Garantiekarte bei - falls das Produkt den Erwartungen nicht entsprechen sollte. Der Umtauschtermin allerdings ist erst im Jahre 2002.  
  
Der CDU will die Wähler kurzfristig gnädig stimmen: Bei allen Schwierigkeiten geht es uns doch ganz gut in Deutschland. Um diese Botschaft zu vermitteln, gibt es zwei Poster zum download: Ein Elefant steigt aus dem Wasser - "keep kohl" - sowie "der Aufschwung ist da".  Da haben wir's und sind alle wieder froh. 
  
Die "Liberalen" fahren mit dem "Internet-Truck" durch deutsche Lande, um ihrer schmalen Basis in den Städten und Kreisen bei "sommerlichen Aktionen" zu helfen. Das Wahlkampf-Special im Netz aber bricht völlig mit dem restlichen FDP-Auftritt - hat also mit dem Alltag nichts zu tun. Als wäre man nachts mit Taschenlampe unterwegs, kommt man an einen Türgriff vor dunklem Hintergrund, entdeckt dahinter aber keine Geheimnisse, erfährt keine schmutzigen Tricks, sondern gerät schließlich in eine interaktive "Werkstatt": Hier soll der User mithelfen, Plakate und Slogans zu entwerfen - die FDP ist halt knapp bei Kasse. 
  
Die Grünen stören die Sommer-Idylle mit aktuellen Erklärungen zu ihren strittigen Vorschlägen, mit einem Beitrag über "Deutschland in der Ökokrise" und einem Spendenaufruf. Sie werben für eine "Neue Mehrheit", wollen also mit der "Neuen Mitte" SPD an die Regierung. 
  
Die CSU präsentiert Bilder ihrer Spitzenkandidaten: "Theo Waigel setzt sich durch" und "Edmund Stoiber ist ein Mann der Tat.." Die PDS zeigt Lothar Bisky im Gespräch mit Fidel Castro und ruft nicht zum Klassenkampf auf. 
  
All diese Parteien mobilisieren ihre Basis für Grillfeste und ersten Stauhilfe - damit Politik menschlich nah und sympathisch erscheine. Ganz Deutschland ist lieb, nur einige Medien scheinen sich zu langweilen: Die Zeit, Der Spiegel und einige andere machen sich auf, der Politik unerledigte Aufgaben vorzuhalten und Lösungen zu verlangen.  

  
  

peg 27.7.98 
 
 
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