Trübe Auswahl 
Statement von Mechtild Jansen, Journalistin und Expertin für frauenpolitische Fragen 
Köln, 26.8.1998
 
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Frauen sollten sich unbedingt an der Wahl zu beteiligen, obwohl die Auswahl trübe ist. Vom einstigen Topthema ist Frauenpolitik zur neuen Nebensache geworden. Statt einer geteilten Spitze gibt es Männer im Doppelpack. Sie streiten um (Vor)Macht an sich, und um die geilste Verpackung ohne Inhalt. Das weibliche Spitzenpersonal ist rar. Programmatisch bleibt der Mann tabu. Kümmern sich die Parteien nicht um Frauen, kümmern sich Frauen halt um Politik. Sie sollten wählen, trotzdem, und zwar strategisch, auch wenn es aus inhaltlicher Überzeugung schon kaum möglich ist. Frauen entscheiden nämlich die Wahl und die Wahl entscheidet über Politik in Umbruchzeiten, über weiter so oder wenigstens die Tür öffnen für einen neuen Anfang.  
Auf der Höhe der Zeit wäre eine Politik für einen neuen Gesellschaftsvertrag, der mit einem demokratischen Geschlechtervertrag beginnt und ein neues Maß für Gleichheit und Freiheit definiert und zwar bezogen auf Einkommen, Arbeit und Politik, generell die Gesellschaft und das Leben aller BürgerInnen. Denn alle 
Kernfragen, vor denen Politik und Gesellschaft stehen, sind untrennbar mit einem veränderten Verhältnis zwischen den Geschlechtern verbunden.  
  
Vorrangig wäre eine Neugestaltung der Existenzsicherung: 
 
  • Halbe - Halbe beim Geld und bei der Zeit in der bezahlten Erwerbs- und der unbezahlten Fürsorge-Arbeit. 
  • Eine eigenständige und lebenslagengemäße Sicherung für Kinder, nichterwerbsfähige Erwachsene und Alte. 
  • Familie wäre als "ganzes (Lebens-)Haus" neuzugestalten und verschiedene Lebensformen sind gleichzustellen. 
  •   
    Gleichstellungspolitik wäre klein, aber machtvoll als Folie über alle Politik anzulegen, die nicht länger nur bei Frauen ansetzt, sondern auch bei Männern verändert. 
    Mechtild Jansen
     
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