Er steht im Tor, im Tor und ich dahinter / Sommer, Herbst und Winter... 
  
Düsseldorf, 29.6.1998
 
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"Beruhigende Cocktails zum Viertelfinale", Streitgespräche über die "Liebe im Abseits - Wieviel Sex ist während der WM erlaubt?". Was Bertis Buben so alles treiben und wer hinter ihnen steht, hört, sieht und liest man täglich in den Medien. Eine Nation im Fußballfieber. 
"Er steht im Tor im Tor und ich dahinter / Sommer, Herbst und Winter" trällerte Wencke Myrrhe in den 60er Jahren. Heute stehen die Ehegattinnen nicht nur staunend am Spielfeldrand , sondern managen ihre kickenden Gatten. Ob bei Schusters, Bierhoffs oder Effenbergs: Die Gattinnen führen die Vertragshandlungen - und zwar knallhart. 
  
"Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren, sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd und waschen Wäsche" - das weiß auch Bayern-Star Lothar Matthäus aus der gescheiterten Beziehung mit Lolita, seiner zweiten Gattin. 
  
Ehegattinnen waren immer ein Riskofakor und der "Bund der Liebe" eine komplizierte Gemeinschaft, die gesetzlicher Regelungen bedarf. Am 1. Juli 1958 - vor 40 Jahren - trat das Gleichberechtigungsgesetz für Mann und Frau in Kraft. Das Alleinentscheidungsrecht des Gatten wurde ersatzlos gestrichen. Er hat nicht mehr das Recht, ein Dienstverhältnis seiner Angetrauten fristlos zu kündigen. 
  
Ob im Fußball oder in der Politik, hinter jedem erfolgreichem Mann steht immer eine Frau. Man erinnere nur eine der ersten Aktionen Hillary's aus dem US-Wahlkampf '92: "Elect my husband." Und wer entschied über Bierhoffs EM-Teilnahme ’96? Bertis Beste! 
  
Was die Ehegattinnen der Kanzlerkandiaten so alles entscheiden und wieviel Sex während des Wahlkampfes gut ist, darüber wird die Nation ganz sicher mehr erfahren - in der heißen Wahlkampfphase Anfang August.  
  
Bei der Gelegenheit könnten die Parteien gleich ihr Online-Angebot auf frauenenpolitische Aspekte überprüfen. Denn dieser Teil ist entweder schlicht oder schlecht:  
Nur auf Umwegen, über viele, viele Mausklicks, gelangt die Surferin zu frauenpolitischen Aussagen. Den Direkteinstieg über die Homepage gestatten nur zwei Parteien: SPD und PDS. Bündnis 90/Die Grünen informieren ausführlich, sobald frau den richtigen Link erwischt hat. Die CDU/CSU hat die Frauenpolitik der Familienpolitik untergeordnet, und die FDP hatte bislang offenbar noch keine Zeit, ihre frauenpolitischen Wahlaussagen vom letzten Parteitag im HTML-Format zu präsentieren. Bei der feministischen Partei DIE FRAUEN ist der Name Programm.  
Fazit: Die Gleichung WWW = WeltWeitWeiblich bleibt bislang noch im roten - sprich: utopischen - Bereich. 
Redaktion wahlen-98
, Köln, recherchierte und kommentierte weitere Links zum Thema "Frauen und Wahlen".  
 
 
 
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