Hightech & Folklore 
Kommentar von Peter Grafe   
Köln,
31.8.1998
 
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Die CSU hat es bisher verstanden, bayerische Tradition und Kommerz, Folklore und moderne Technik so zu verbinden, daß Modernisierung scheinbar nicht Veränderung sondern nur Verbesserung bedeutet. In über 40 Jahren haben sich die Christsozialen zur politisch-kulturellen Kraft entwickelt, die den bayerischen mainstream repräsentiert. Die anderen Parteien versuchten bisher vergeblich, mit einer Mischung aus Anpassung und Opposition diese hegemoniale Position zu knacken. 
  
Eigentlich eine wunderbare Welt für die CSU - hätte sie nicht ein richtig großes Problem: Sie verfällt periodisch in tiefe Zweifel, ob ihre Rolle im Lande mehr sei als ein Traum, aus dem sie alsbald böse erwachen müsse. Solche gelegentlichen Depressionsanfälle führen zu gereiztem Gezänk untereinander, zu Ausfällen gegenüber der CDU und zu nervösem Aktionismus. Anders ist nicht zu erklären, warum Ministerpräsident Stoiber plötzlich eine Autobahnvignette vorschlagen muß oder der Generalsekretär Protzner verwegen in die Rolle der PDS schlüpft und der SPD in Bonn ein Duldungsangebot unterbreitet.  
  
Es kann auch keinen anderen Hintergrund haben, daß die CSU trotz schlechter Erfahrungen wieder Gefahr läuft mit rechten Parolen die Republikaner zu päppeln: Einerseits preist Stoiber Bayern als das sicherste Bundesland der BRD, andererseits appelliert er an imaginierte Ängste, die - aus dem Westen betrachtet - völlig unverständlich sind: Die Bayern gelten doch als gestandene Mannsbilder und die Bayerinnen als fromm - wovor sollten sie sich also fürchten? 
peg
 
 
 
 
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