Die fremde SPD 
Kommentar von Peter Grafe   
Köln,
31.8.1998
 
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Die CSU als bayerische Hegemonialpartei wehrt alles ab, was ihre Rolle kulturell oder politisch gefährden könnte, und definiert dies als "fremd". Dieses Verdikt schließt die SPD mit ein, die es hier - im Gegensatz zu NRW oder Hessen -  nicht verstanden hat die Rolle als ewige Opposition gegen die tonangebende "Gesellschaft" zu überwinden.  

Die bayerischen Sozialdemokraten sind nie richtig aus den Arbeiterbezirken herausgekommen und haben auch dort immer wieder kräftig verloren, wenn die Kompetenz in den klassischen sozialen Fragen nicht im Vordergrund stand. Sie konnten in Schützen- oder Sport-Vereinen und in den honorigen Zirkeln der Kommunen nicht heimisch zu werden.  

Wenn Renate Schmidt gelegentlich im Dirndl auftritt, wenn der ein oder andere "Genosse" den Gamsbart am Hut trägt, so löst das die kulturelle Barriere nicht auf, sondern erinnert eher an manche Touristen, die in der Lederhose mit den Einheimischen fraternisieren wollen. 
 
Die Distanz der Sozialdemokraten ist weniger die Folge als die Ursache schlechter Wahlergebnisse, die ihrerseits dann das Gefühl verstärken, in der Diaspora zu leben, und das wiederum verstärkt die Abgrenzung. Wenn sie "Wir" sagen, meinen sie nicht die Bayern und werden auch nicht so verstanden. "Wir" heißt immer noch "wir Sozialdemokraten" und steht gegen die Mehrheit. Erst wenn sie diesen Zirkel gesellschaftlich verlassen, haben sie politisch eine Chance.
 
Schröder hat es in Angriff genommen, die Sozialdemokraten mit Deutschland zu versöhnen, vielleicht haben seine Parteifreunde in Bayern das Signal verstanden und arbeiten in der kommenden Wahlperiode nach. 
 

peg
 
 
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