Damals: Parteien und Verbände in der DDR
 
Vergleichbar sind Wahlsystem der DDR und der Bundesrepublik nicht: In der DDR waren weder Abwechslungen an der Regierungsspitze noch ein Wettbewerb der Parteien vorgesehen. Die führende Rolle der Sozialistischen Einheitspartei (SED) war in der Verfassung festgeschrieben. 

Träger der Wahlen in der DDR war die "Nationale Front". Diese Organisation koordinierte die verschiedenen Parteien und Verbände, die sogenannten "Massenorganisationen" vor Ort, außerdem die Tätigkeit nachbarschaftlicher Hilfe und lokaler Initiativen, vom Anlegen eines Kindergartens bis hin zum Pflegen von Parks und Grünanlagen. 
Die Parteien und Massenorganisationen vereinten ihre Vorschläge zur gemeinsamen Liste der Nationalen Front. Bevor es so weit war, mußte laut Wahlrecht jeder Kandidat in seinem Betrieb - Arbeitskollektiv - geprüft werden. Wurde er abgelehnt, konnte er nicht nominiert werden. DDR-Bürger berichten, daß die Kandidaten zu ihren Ämtern mehr oder weniger gedrängt werden mußten: "Aber ich bin doch schon stellvertretender Vorsitzender beim Karnickelzüchterverein, im VKSK (Verband der Kleingärtner und Kleintierzüchter) und arbeite im WBA (Wohnbezirksausschuß) mit!" "Ja, aber wer soll es denn sonst machen? Wir haben doch sonst keinen Freiwilligen..." undsoweiter, bis der genervte Kandidat dann schließlich doch zustimmte. 

Zu jeder Wahl wurden trotzdem mehr Kandidaten aufgestellt, als Plätze vorhanden waren. Der eigentliche Wahlvorgang bestand in einer Bestätigung der Wahlvorschläge; große Überraschungen waren nicht möglich. 

Zu den Wahlen traten nicht nur die Parteien SED, DBD, CDU, LDPD und NDPD an, sondern auch Verbände wie der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Demokratische Frauenbund (DFD) und der Kulturbund (KB). Ihre Kandidaten wurden auf einer gemeinsamen Liste "Nationale Front" im "Demokratischen Block" zusammengefaßt. 

Ein ehemals hauptamtlicher MfS-Mitarbeiter erzählt von den ersten freien Wahlen 1990 in der DDR: "... und als ich ins Wahllokal komme, wen sehe ich als erstes? Meinen IM - inoffiziellen Mitarbeiter- , der immer im Wahlauszählungsteam gesessen hatte. Der saß 1990 auch wieder dort. Ich habe dann leutselig zu ihm gesagt: Sieh an, die Stasi ist auch dabei! - Wir und alle Anwesenden lachten herzlich, die anderen natürlich ohne den Hintergrund meiner Anspielung zu verstehen." 

Die in der DDR gewählten Abgeordneten waren Mitglied der Volkskammer, der obersten Volksvertretung der DDR. Die Daten zur letzten Volkskammerwahl 1986 sind beeindruckend: Wahlbeteiligung 99,74, Zustimmung zur vorgeschlagenen Liste 99,94 Prozent! 

Nicht nur die Wahlen, auch der Wahlkampf, die Wahlplakate und die Slogans sahen in der DDR anders aus. Bei der graphischen Anmutung ihrer Wahlplakate orientierten sich die Macher aus der Abteilung Agitation beim Amt für Information aus der Geschichte der Arbeiterbewegung, vorzugsweise aus dem Fundus der KPD. 

 
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