"Zum ersten Mal eine Chance - Bündnis 90/Die Grünen"
 
Der "Werbepapst" Michael Schirner, Chef der Düsseldorfer »Michael Schirner Werbe- und Projektagentur«, bekannt geworden durch die legendäre Motivanzeige "schreIBMaschine" (1979/80), hat die "Ü"-Kampagne für Bündnis 90/Die Grünen entworfen. 

Norbert Schmedt von "schrägstrich", dem Mitgliedermagazin von Bündnis 90/Die Grünen, sprach mit Michael Schirner. 

Sie haben mit Ihrer Agentur bislang keine »politische Werbung« im engeren Sinne gemacht. Warum jetzt und warum für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN?  

Weil ich glaube, daß die Grünen jetzt zum ersten Mal die Chance haben, in der Bundesrepublik an die Regierung zu kommen. Ein Image-Wechsel der Grünen geht damit einher und ist zugleich notwendig. Die Grünen sind nicht mehr die reine Öko- und Anti-Atomkraft-Partei. Sie haben in allen Bereichen Kompetenz ?ganz besonders in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Partei ist nun aus den Kinderschuhen herausgekommen und ist jetzt ?entsprechend ihrem Alter ?gewissermaßen »volljährig« geworden.  

Was sind die zentralen Aussagen im Wahlkampf? Wer soll angesprochen werden?  

Es werden die Aussagen kommuniziert, die auf dem Parteitag im März beschlossen werden. Die Kampagne hat die Aufgabe, die wichtigsten Inhalte des Wahlprogrammes an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Zielgruppen sind die Menschen, die den Grünen nahe stehen und sie bislang gewählt haben. Es geht aber auch um neue Wähler, die wir unter den Frauen und den Jüngeren ansprechen können. Nur die Grünen haben irgendeine Chance, ein junges Publikum zu erreichen.  

Die Kampagne enthält ein zentrales Element. Was soll das »Ü«?  

Das »Ü« soll zum Zeichen werden ?zum Verkehrszeichen für den Regierungswechsel. Das »Ü« ist grün, damit klar wird, daß ein Wechsel nur mit den Grünen möglich ist. Das »grüne Ü« soll durch seine Botschaften zu einem Freund werden, zu etwas, was man sich gerne als Button an den Kragen heftet oder als T-Shirt trägt.  

Ist der Grad zwischen Akzeptanz und Überdruß nicht sehr schmal? 

Eigentlich nicht. Die meisten neuen Zeichen, Symbole oder Logos lösen am Anfang besonders heftige Diskussionen aus. Daß das Neue einen gewissen Schock auslöst, ist normal. Aber je länger dieses Zeichen eingesetzt wird und Kontakt mit dem Publikum hat, desto mehr wird es geliebt ?wenn es geliebt wird. Die Grünen machen ja keinen Personenwahlkampf wie die anderen Parteien. Es soll keinen grünen Wahlkampf der Köpfe geben. Deshalb steht für alle Köpfe das »Ü«. Es ist das Zeichen für das neue Gesicht dieser Partei.  

Der Wahlkampfetat ist vergleichsweise gering. Für was reichen fünf Millionen Mark, was geht nicht?  

Bei einem Etat von fünf Millionen muß man sich bei der Auswahl der Medien sehr, sehr konzentrieren. Die Kampagne kann nicht bis in den letzten Winkel des Landes reichen. Wir müssen uns konzentrieren auf die Großstädte und die größeren Städte. Dort wird es Plakatwerbung geben. Die Anzeigen werden ebenfalls nicht flächendeckend geschaltet. Es wird vermutlich einen Kinofilm geben und natürlich in ARD und ZDF die kostenlosen Wahlspots. Im Fernsehen wird die Kampagne sicherlich am sichtbarsten sein. Dort können wir sehr viele Menschen erreichen.  

Woran messen Sie ihren Erfolg? An Prozentpunkten oder an der Akzeptanz der Materialien in den Kreisverbänden, die ja zum größten Teil den Wahlkampf finanzieren?  

Beides ist wichtig. Das eine ist die Voraussetzung des anderen. Die Kampagne funktioniert nur, wenn sie bis zur Basis akzeptiert, geliebt und eingesetzt wird. Nur dann kann sie einen Einfluß auf das Wahlverhalten der Bürger haben.  

Nehmen wir an, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN legen bei der Bundestagswahl x Prozentpunkte zu und der Wechsel ist machbar. Was macht Sie sicher, daß es nicht auch ohne Ihre Agentur geklappt hätte?  

Nichts.  

Mit freundlicher Genehmigung von Bündnis 90/Die Grünen. Die wiedergegebenen Passagen sind nur ein Auszug aus dem Interview. Das komplette Interview finden Sie in der Online-Ausgabe des Partei-Magazins Schrägstrich. 

 
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